THD VIDEO-BAUKASTEN KINDERHANDBALL

Ansehen. Auswählen. Trainieren.

Gutes Kinderhandballtraining braucht keinen starren Ablauf. Entscheidend ist, passende Trainingsbausteine für Alter, Entwicklungsstand und Trainingsziel auszuwählen.

In unserem THD Video-Baukasten sammeln wir – inspiriert von der Trainingsarbeit bei JANO Filder – praxisnahe Ideen für Minis sowie F-, E- und D-Jugend. Vom spielerischen Aufwärmen über Technik und Werfen bis hin zu 1:1, Kooperation und Spielfähigkeit.

Die Videos sind keine fertigen Trainingseinheiten, sondern Werkzeuge für Trainer: anschauen, auswählen, altersgerecht anpassen und direkt ins eigene Training bringen.

Werkzeug lernen. Werkzeug auswählen. Werkzeug im Spiel einsetzen.

Aufwärmen – Minis, F-, E- und D-Jugend

Das Aufwärmen im Kinderhandball sollte vor allem eines sein: spielerisch, abwechslungsreich und mit viel Spaß verbunden. Klassische „Erwachsenen-Erwärmung“ mit Einlaufen, festen Laufprogrammen oder isolierten Dehn- und Stretchingübungen ist im Kindertraining nicht das Ziel. Kinder wollen und sollen sich von Beginn an bewegen und spielen.

Spielformen sind deshalb das A und O. Fangspiele, kleine Wettkämpfe, Reaktionsspiele oder Spiele aus anderen Sportarten sorgen für Begeisterung und eine vielseitige motorische Ausbildung. Gleichzeitig sollten möglichst viele handballspezifische Bewegungsabläufe integriert werden: Beschleunigen, Abstoppen, Richtungswechsel, seitliche Bewegungen, Springen, Werfen, Fangen oder das schnelle Reagieren auf Mit- und Gegenspieler.

Wann immer möglich, sollte der Ball eine zentrale Rolle spielen. Viele Ballkontakte und unterschiedliche Aufgaben mit dem Ball fördern ganz nebenbei Ballgefühl, Koordination, Wahrnehmung und Orientierung.

Dabei darf und soll auch über den Handball hinausgedacht werden. Elemente aus anderen Sportarten und neue Spielideen schaffen zusätzliche Bewegungsreize und erweitern den Bewegungsschatz der Kinder.

Entscheidend ist: Die Kinder sollen möglichst schnell ins Spielen, Bewegen und Ausprobieren kommen. Ein gutes Aufwärmen fühlt sich für sie deshalb nicht wie Aufwärmen an – sondern wie der spaßige Beginn des Trainings.

Aufwärmen mit Ball

Alle Kinder bewegen sich mit einem Handball frei über das Spielfeld und verbinden unterschiedliche Lauf- und Bewegungsformen mit abwechslungsreichen Aufgaben am Ball. Dabei geht es nicht darum, einen festen Übungsablauf abzuarbeiten. Vielmehr sollen die Kinder ständig neue Bewegungsaufgaben kennenlernen, ausprobieren und miteinander kombinieren.

Wie Markus Scherbaum in diesem Beispiel zeigt, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Vorwärts, rückwärts oder seitwärts bewegen, die Richtung und das Tempo verändern, den Ball mit beiden Händen führen, prellen, werfen, fangen oder unterschiedliche koordinative Aufgaben miteinander verbinden – aus einer einfachen Grundidee können immer wieder neue Varianten und Herausforderungen entstehen.

Der Trainer kann dabei laufend neue Impulse geben oder die Kinder selbst Lösungen und Variationen entwickeln lassen. Wichtig ist, dass möglichst viele Kinder gleichzeitig aktiv sind und viele Ballkontakte bekommen. Schwierigkeit, Geschwindigkeit und Komplexität können Schritt für Schritt gesteigert und an Alter sowie Entwicklungsstand angepasst werden.

Besonders motivierend ist es, die Übungsphase mit einem kleinen Wettkampf oder Spiel abzuschließen. Wer erreicht am schnellsten einen vorgegebenen Kreis? Wer reagiert zuerst auf ein Signal? Wer schafft es beim „Bälle klauen“, am Ende noch einen Ball zu besitzen? Auch hier gilt: kreativ werden und immer wieder neue Herausforderungen schaffen.

So wird aus einem einfachen Aufwärmen mit Ball eine vielseitige Trainingseinheit, die Ballgefühl, Koordination, Orientierung, Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit fördert – und vor allem dafür sorgt, dass die Kinder mit viel Bewegung und Spaß ins Training starten.

Nummernfangen – Aufwärmspiel für Minis bis D-Jugend

Zielgruppe: Minis · F-Jugend · E-Jugend · D-Jugend
Organisation: 2 Mannschaften · Volleyballfeld oder vergleichbare Spielfläche

Nummernfangen ist ein einfaches, temporeiches Aufwärmspiel, bei dem Reaktion, Schnelligkeit, Orientierung und Richtungswechsel spielerisch miteinander verbunden werden. Durch den direkten Wettkampf entsteht von Beginn an viel Bewegung und eine hohe Motivation.

So funktioniert das Spiel:
Die Kinder werden in zwei möglichst gleich große Mannschaften eingeteilt. Jedes Team erhält eine Spielfeldhälfte und nummeriert seine Spieler der Reihe nach durch.

Auf das Startsignal läuft aus beiden Mannschaften gleichzeitig die Nummer 1 in die gegnerische Hälfte. Dort versucht sie, einen beliebigen Gegenspieler abzuschlagen. Anschließend läuft sie so schnell wie möglich zurück in die eigene Hälfte und klatscht die nächste Nummer ihres Teams ab. Nun startet die Nummer 2, danach die Nummer 3 usw.

Dabei gibt es eine Besonderheit: Auch der gerade aktive Fänger ist nicht sicher. Sobald er sich wieder in seiner eigenen Spielfeldhälfte befindet, kann er vom gegnerischen Fänger abgeschlagen werden. Dadurch müssen die Kinder gleichzeitig angreifen, ausweichen und das Geschehen im gesamten Feld wahrnehmen.

Abgeschlagene Spieler scheiden nicht aus, sondern bleiben ganz normal im Spiel. So sind alle Kinder während der gesamten Spielform beteiligt und in Bewegung.

Hat der letzte Spieler eines Teams seinen Fangdurchgang beendet und ist wieder in die eigene Spielfeldhälfte zurückgekehrt, setzt sich die gesamte Mannschaft möglichst schnell auf den Boden. Das Team, das zuerst vollständig sitzt, gewinnt den Durchgang.

Bei ungerader Spielerzahl kann ein Kind des kleineren Teams einen zweiten Fangdurchgang übernehmen.

Die Feldgröße, Laufwege und Anforderungen sollten an die jeweilige Altersgruppe und den Entwicklungsstand angepasst werden. Bei Minis und F-Jugend steht vor allem das Laufen, Ausweichen und der Spaß am gemeinsamen Wettkampf im Vordergrund. In der E- und D-Jugend können Tempo, Aktionsradius und taktische Anforderungen zunehmend gesteigert werden.

Trainingsschwerpunkte: Reaktion · Schnelligkeit · Orientierung · Richtungswechsel · Wahrnehmung · Teamgeist · Spielfreude

Nummernfangen:
Zwei Teams spielen gleichzeitig gegeneinander: Nacheinander läuft jeweils ein Fänger ins gegnerische Feld, fängt einen Spieler und schickt per Abklatschen die nächste Nummer ins Rennen. Sobald der letzte Fänger zurück ist, setzt sich das komplette Team hin – wer zuerst vollständig sitzt, gewinnt.

Nummernfangen:
Zwei Teams spielen gleichzeitig gegeneinander: Nacheinander läuft jeweils ein Fänger ins gegnerische Feld, fängt einen Spieler und schickt per Abklatschen die nächste Nummer ins Rennen. Sobald der letzte Fänger zurück ist, setzt sich das komplette Team hin – wer zuerst vollständig sitzt, gewinnt.

Aufsetzerball auf Matten:
Fünf Matten werden im Spielfeld verteilt – vier in Richtung der Ecken und eine in der Mitte. Ein Punkt wird erzielt, wenn der Ball zuerst den Boden und anschließend eine Matte berührt. Die Angreifer dürfen die Matten weder betreten noch überspringen; die Abwehr darf auf eine Matte springen und versuchen, den Ball abzuwehren.

⚠️ Wichtig: Es darf immer nur ein Abwehrspieler auf eine Matte springen – unbedingt vorher darauf hinweisen, um Zusammenstöße und Verletzungen zu vermeiden.

Kempaball mit Steppern:
Vier Stepper in den Spielfeldecken dienen als Ziele: Ein Punkt wird erzielt, wenn ein Mitspieler auf dem Stepper angespielt wird und den Ball sicher fängt – als Steigerung auch in der Luft. Varianten wie das direkte Weiterspielen des Balles in der Luft oder das anschließende „Bestätigen“ des Punktes durch Ablegen auf einer Matte in der Spielfeldmitte erhöhen die Anforderungen an Timing, Freilaufen und Zusammenspiel.

Ballhandling, Ballgewöhnung & Trickpässe

Vom Mini bis zur D-Jugend lässt sich Ballhandling hervorragend an den jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder anpassen. Entscheidend ist nicht, möglichst schwierige Tricks vorzugeben, sondern mit einfachen Pass- und Ballaufgaben zu beginnen und den Schwierigkeitsgrad nach und nach zu steigern.

In Zweiergruppen können zunächst einfache Pässe variiert und später zunehmend koordinativ anspruchsvollere Trickpässe eingebaut werden: direkt hinter dem Rücken oder hinter dem Kopf, Aufsetzer durch die Beine, tiefe Rückhandpässe oder indirekte Pässe hinter dem Rücken. Mit dem Squeezy können ältere oder fortgeschrittene Kinder zusätzlich erste Dreher und kreative Ballbewegungen ausprobieren.

Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Ausprobieren, variieren und auch Fehler machen sind ausdrücklich erwünscht – denn genau dadurch entwickeln Kinder ein immer besseres Gefühl für den Ball. Viele kleine Variationen ermöglichen es dem Trainer, dieselbe Grundidee sowohl mit Anfängern als auch mit fortgeschrittenen Kindern einzusetzen und die Anforderungen individuell anzupassen.

Im Mittelpunkt stehen Ballgefühl, Koordination, Kreativität und Freude am Experimentieren – vom ganz einfachen Pass bis zum anspruchsvollen Trick.

Reaktionspässe mit zwei Bällen:
Zwei Spieler stehen sich mit jeweils einem Ball gegenüber. Ein Spieler gibt mit Boden- oder Direktpass die Aktion vor, der Partner reagiert mit der jeweils anderen Passform – nach zehn Pässen werden die Rollen gewechselt.

Rückhandpässe mit zwei Bällen:
Zwei Spieler stehen sich mit jeweils einem Ball gegenüber. Ein Spieler spielt kontinuierlich Bodenpässe, während der Partner die Bälle mit Rückhandpässen abwechselnd mit der linken und rechten Hand zurückspielt – eine koordinativ anspruchsvolle Aufgabe; nach zehn Pässen werden die Rollen gewechselt.

Rückhandpässe mit größerer Distanz:
Wie in Video 2, jedoch mit größerem Abstand zwischen den Spielern und einem längeren Passweg. Dadurch wird die Übung etwas langsamer ausgeführt und ermöglicht eine kontrolliertere Ausführung der Rückhandpässe mit links und rechts.

Pässe durch die Beine:
Zwei Spieler stehen sich mit jeweils einem Ball gegenüber. Während ein Spieler einen geraden Pass spielt, passt der andere den Ball als Bodenpass durch die eigenen Beine zurück – mit Seitendrehung und Handwechsel koordinativ anspruchsvoll; nach zehn Pässen werden die Rollen gewechselt.

Pässe über den Kopf:
Zwei Spieler stehen sich mit jeweils einem Ball gegenüber. Während ein Spieler Bodenpässe spielt, passt der Partner den Ball über den Kopf zurück – mit Seitendrehung und Handwechsel koordinativ besonders anspruchsvoll; nach zehn Pässen werden die Rollen gewechselt.

Pässe um den Gegenspieler:
Zwei Spieler stehen sich mit jeweils einem Ball gegenüber. Ein Spieler spielt abwechselnd gerade Pässe nach links und rechts, der Partner führt nach der Ballannahme den Wurfarm lang um einen imaginären Gegenspieler herum und spielt per Bodenpass mit ständigem Handwechsel zurück – nach zehn Pässen werden die Rollen gewechselt.

Pässe um den Gegenspieler – angepasstes Tempo:
Wie in Video 6, jedoch etwas langsamer und an das Leistungsniveau der E- und D-Jugend angepasst. So können Handwechsel, langer Arm und Bodenpass zunächst kontrolliert ausgeführt und mit zunehmender Sicherheit schneller gespielt werden.

Level 1: Schlagwurftechnik Schritt für Schritt entwickeln

Die Schlagwurftechnik wird alters- und entwicklungsgerecht aufgebaut. Bei Minis und in der F-Jugend stehen zunächst die grundlegenden Bewegungsmuster im Mittelpunkt: den Ball sicher halten, den Wurfarm in eine geeignete Ausgangsposition bringen, die Wurfbewegung kennenlernen und erste Würfe aus unterschiedlichen Positionen ausprobieren.

Mit zunehmender Sicherheit werden die Aufgaben erweitert und miteinander verbunden. In der E- und D-Jugend entstehen daraus komplexere Bewegungsfolgen: Anlauf und Stemmschritt, Ballannahme und unmittelbarer Wurf, Würfe nach unterschiedlichen Laufwegen oder unter zunehmendem Zeit- und Gegnerdruck.

Die einzelnen Videos bauen dabei methodisch aufeinander auf. Vom Erlernen der Grundbewegung über das Festigen der Technik bis zur Anwendung in zunehmend spielnahen Situationen.

Wichtig: Auch hier bestimmt nicht allein das Alter die Auswahl der Übungen. Die einzelnen Schritte sollten sich immer am individuellen Entwicklungsstand der Kinder orientieren. Ein Schritt wird nicht „abgehakt“ – er wird erweitert, variiert und schließlich ins Spiel übertragen.

Schlagwurf Level 2 – F- und E-Jugend

In Level 2 wird die grundlegende Schlagwurftechnik mit Aufgaben zur Balance, Koordination und Körperstabilität verbunden. Die Kinder balancieren zunächst über eine Bank, setzen sich auf einen Kasten und führen nach dem Aufstehen einen Schlagwurf aus. Die Ausgangsposition wird dabei variiert: seitlich, frontal oder von der Gegenseite – teilweise mit angehobenem Stemmbein.

Der Trainer kann mithilfe einer Schwimmnudel („Pommes“) eine gestreckte Arm- und Körperhaltung unterstützen und den Kindern eine gut sichtbare Orientierung für die Wurfbewegung geben. Der Rückweg über Koordinationsleiter und Matten ergänzt die Station um weitere vielseitige Bewegungserfahrungen.

Wichtig: Die Aufgaben und Variationen sollten an den individuellen Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden. Im Mittelpunkt stehen eine kontrollierte Bewegungsausführung und die schrittweise Weiterentwicklung der Schlagwurftechnik – nicht die schnelle Durchführung der Station.

Schlagwurf Level 3 – E- und D-Jugend

In Level 3 wird der Schlagwurf aus unterschiedlichen Ausgangspositionen und Bewegungsrichtungen ausgeführt und zunehmend unter Gegnerdruck angewendet. Die Kinder sollen die erlernte Technik stabil halten, schnell zum Tor umschalten und passende Wurflösungen finden.

Zunächst starten die Kinder etwa neun Meter vor dem Tor im Kniestand. Sie nehmen den Ball von einem Kasten oder direkt aus der Hand des Trainers auf, stehen kontrolliert auf und werfen anschließend mit einem, zwei oder drei Schritten. Dadurch werden das schnelle Aufrichten, die richtige Schrittfolge und der flüssige Übergang in den Schlagwurf miteinander verbunden.

Anschließend erfolgt der Schlagwurf aus einer Seitwärtsbewegung. Der Spieler bewegt sich mit dem Ball in AIM-Position seitlich zwischen zwei Markierungen. Der Wurfarm bleibt dabei oben. Nach der Rückbewegung nimmt das Kind unmittelbar Tempo in Richtung Tor auf und wirft an einer Stange oder einem Airbody vorbei. Eine Pommesbahn mit jeweils zweieinhalb Kontakten kann die seitliche Beinarbeit zusätzlich unterstützen.

Im nächsten Schritt wird die Technik in eine spielnahe 1-gegen-1-Situation mit Defensivblock übertragen. Sobald der Angreifer zu einem Zuspieler außerhalb des Stangentores passt, muss der Abwehrspieler die gegenüberliegende Stange berühren, bevor er blocken darf. Angreifer und Abwehrspieler agieren ausschließlich hinter der 7-Meter-Linie. Passtäuschungen und unterschiedliche Wurfvarianten eröffnen zusätzliche Lösungsmöglichkeiten.

Die Spielform kann auch mit einem Squeezy-Ball gespielt werden. Da dieser nicht geprellt werden kann, werden Ballannahme, Täuschungen, schnelles Zusammenspiel und kreative Wurflösungen besonders gefördert.

Wichtig: Im Mittelpunkt stehen ein stabiler hoher Wurfarm, eine kontrollierte Schrittfolge, der unmittelbare Tempowechsel in Richtung Tor und die Fähigkeit, die Schlagwurftechnik auch unter Zeit- und Gegnerdruck anzuwenden. Schwierigkeit und Intensität sollten immer an den Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden.

ABWEHRVERHALTEN

E- und D-Jugend

Abwehr beginnt im Kinderhandball nicht mit einem starren Abwehrsystem, sondern mit dem individuellen Verhalten gegenüber dem Angreifer. Kinder sollen lernen, ihren Gegenspieler wahrzunehmen, Abstände einzuschätzen, sich richtig zu positionieren und auf dessen Bewegungen zu reagieren.

Im Mittelpunkt stehen Beinarbeit, Orientierung, aktives Verteidigen und das Verhalten im 1:1. Dabei geht es nicht darum, Bewegungsabläufe ausschließlich vorzugeben. Vielmehr sollen die Kinder in unterschiedlichen Situationen erfahren, wie sie den Weg zum Tor versperren, auf Richtungs- und Tempowechsel reagieren und den richtigen Moment für eine aktive Balleroberung erkennen.

Von den Minis bis zur D-Jugend werden die Anforderungen dem jeweiligen Entwicklungsstand angepasst – von einfachen Lauf-, Fang- und Reaktionsaufgaben über erste 1:1-Situationen bis hin zu komplexeren Abwehrentscheidungen unter Zeit- und Gegnerdruck.

Abwehr-Grundtechniken & Grundbewegungen

Die ersten Übungen vermitteln die Grundlagen des individuellen Abwehrverhaltens in Zweiergruppen. Ein Spieler prellt den Ball und bewegt sich zunächst in überschaubarem Tempo, während der Partner die Bewegungen begleitet und versucht, Abstand und Position zum Angreifer konstant anzupassen. Nach und nach werden Bewegungsraum, Richtungswechsel und Geschwindigkeit erhöht.

Im nächsten Schritt kommt die aktive Balleroberung hinzu. Die Kinder probieren unterschiedliche Möglichkeiten aus, einen geprellten Ball kontrolliert herauszuspielen: zwischen Ball und Hand des Angreifers durchwischen, die eigene Hand über den Ball bringen oder den Ball gezielt nach unten drücken und übernehmen. Dabei steht nicht wildes Zugreifen im Vordergrund, sondern Beobachten, Timing und ein kontrolliertes Eingreifen.

Als dynamische Steigerung läuft der Abwehrspieler zunächst hinter dem ballführenden Angreifer. Beim Überholen versucht er, den richtigen Moment abzupassen und den Ball gezielt herauszuprellen.

Die Übungen können hinsichtlich Tempo, Abstand, Bewegungsrichtung und Handlungsfreiheit immer wieder verändert werden. So entwickeln sich aus einfachen Grundbewegungen zunehmend spielnahe Situationen.

Ziel: Kinder sollen lernen, wahrzunehmen, mitzugehen, Abstand und Position anzupassen, den richtigen Moment zu erkennen und aktiv den Ball zu erobern – als Grundlage für ein mutiges und selbstständiges Abwehrverhalten.

Abwehr-Grundbewegung: Zwei Spieler bewegen sich gemeinsam über das Feld: Der Angreifer prellt den Ball, während der Abwehrspieler mit etwa einem Meter Abstand rückwärts mitarbeitet und seine Position zum Angreifer hält. Nach jeder Bahn werden die Rollen getauscht – Angreifer wird Abwehrspieler und umgekehrt.

Abwehr-Grundbewegung mit Variationen: Wie in Video 1, jetzt variiert der Angreifer jedoch Laufrichtung und Geschwindigkeit – seitwärts, rückwärts oder mit Tempowechseln. Der Abwehrspieler reagiert auf jede Bewegung und versucht, Position und etwa einen Meter Abstand konstant zu halten.

Abwehr-Grundbewegung mit Durchbruch: Erweiterung zu Video 2: Der Angreifer darf nun prellend zum Durchbruch ansetzen, allerdings nur bis auf Höhe des Abwehrspielers. Der Abwehrspieler reagiert auf die Richtungs- und Tempowechsel und versucht, frühzeitig den Laufweg zu schließen und vor dem Angreifer zu bleiben.

Durchwischen beim Prellen: Der Angreifer prellt den Ball kontrolliert, während der Abwehrspieler versucht, mit der Hand zwischen Ball und Prellhand durchzuwischen.

Ball übernehmen: Der Abwehrspieler versucht, mit der Abwehrhand zwischen die Hand des Angreifers und den Ball zu gelangen. Gelingt dies, übernimmt er den Ball direkt und prellt selbst weiter.

Ballübernahme in der Vorwärts-/Rückwärtsbewegung: Zwei Spieler tippen den Ball abwechselnd senkrecht an derselben Stelle auf den Boden, ohne ihn sich zuzupassen. Nach jeder Tippbewegung bewegt sich der jeweilige Spieler wieder einen Schritt zurück, sodass ein stetiger Wechsel aus Vorwärts- und Rückwärtsbewegung entsteht.

Herausprellen aus der Distanz: Der Angreifer hält den Ball zunächst hinter dem Rücken, während der Abwehrspieler mit gut einem Meter Abstand wartet. Sobald der Angreifer einmal prellt, darf der Abwehrspieler den Ball aktiv herausschlagen – auf ausreichend Abstand achten; nach jeder Bahn werden die Rollen gewechselt.

Ballübernahme in der Seitwärtsbewegung: Wie in Übung 6, jetzt bewegen sich beide Spieler seitlich über das Spielfeld. Der Ball wird weiterhin abwechselnd senkrecht an derselben Stelle getippt und nicht zugespielt.

Ball übernehmen: Wie in Übung 5, jetzt wird der Ball nach der erfolgreichen Übernahme festgehalten und nicht weitergeprellt. Anschließend werden die Rollen direkt gewechselt.

Koordination & Wahrnehmung: Ein Spieler hält zwei Bälle und rollt einen Ball zum Partner, während er den zweiten nahezu gleichzeitig zu ihm passt. Der Partner muss beide Bälle wahrnehmen und kontrollieren – anschließend werden die Rollen gewechselt; eine koordinativ anspruchsvolle Aufgabe, die zugleich Reaktion und Wahrnehmung im Abwehrverhalten schult.

Von hinten herausprellen: Der Angreifer prellt den Ball vorwärts, während der Abwehrspieler von hinten aufschließt und am Angreifer vorbeiläuft, um den Ball gezielt herauszuprellen. Anschließend werden die Rollen gewechselt.

Sprungwurf – im Kinderhandball frühzeitig entwickeln

Zielgruppe: F-, E- und D-Jugend

Der Schlagwurf und die richtige Schrittfolge bilden wichtige technische Grundlagen und gehören selbstverständlich in die Ausbildung junger Handballer. Aus unserer Sicht wird jedoch gerade das frühzeitige und vielseitige Training des Sprungwurfs im Kinderhandball noch deutlich zu häufig vernachlässigt.

Dabei gehört der Sprungwurf zu den wichtigsten Wurfformen des modernen Handballs. Ein gut ausgebildeter Sprungwurf bedeutet weit mehr als hochzuspringen und anschließend auf das Tor zu werfen. Durch die zusätzliche Zeit in der Luft kann der Spieler beobachten, wie die Abwehr reagiert, wie sich der Torwart positioniert und welche Abschlussmöglichkeit sich daraus ergibt.

Genau darin liegt sein großer Wert: Der Spieler kann seine Entscheidung länger offenhalten und erhält mehr Optionen für einen erfolgreichen Torabschluss. Unterschiedliche Wurfrichtungen, Armpositionen, Absprungwinkel und Abschlussvarianten machen ihn zunehmend schwerer auszurechnen.

Deshalb sollte der Sprungwurf nicht erst in späteren Altersklassen intensiv trainiert werden. Bereits Kinder können spielerisch lernen, aus unterschiedlichen Situationen abzuspringen, sich in der Luft zu orientieren und variabel abzuschließen.

Schlagwurf und Schrittfolge schaffen wichtige Grundlagen – der Sprungwurf erweitert diese Grundlagen um Wahrnehmung, Variabilität und zusätzliche Lösungsmöglichkeiten. Ziel ist ein Spieler, der nicht nur eine Bewegung beherrscht, sondern im entscheidenden Moment wahrnimmt, entscheidet und die passende Wurflösung findet.

1:1-Aktionen – Schlüssel zum modernen Handball

Zielgruppe: E- und D-Jugend

Das 1:1-Verhalten gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten im modernen Handball. Spielerinnen und Spieler, die einen Gegenspieler binden, überwinden oder einen entstandenen Vorteil erkennen und nutzen können, schaffen die Grundlage für erfolgreiches Angriffsspiel. Deshalb kann mit der Entwicklung dieser Fähigkeiten gar nicht früh genug begonnen werden.

Bereits in der E-Jugend sollte das 1:1 einen hohen Stellenwert im Training einnehmen. Das gilt auch dann, wenn in den offensiven Spielformen dieser Altersklasse ein klassisches 1:1 noch nicht durchgehend abgebildet wird. Die dafür notwendigen Fähigkeiten können und sollten trotzdem gezielt vorbereitet werden.

Dabei geht es um deutlich mehr als das Erlernen einzelner Täuschungen. Kinder müssen lernen, Gegenspieler wahrzunehmen, Abstände und Bewegungen einzuschätzen, freie Räume zu erkennen, Entscheidungen zu treffen und im richtigen Moment zu handeln. Unterschiedliche Ausgangspositionen, Laufwege und Spielsituationen sorgen dafür, dass immer wieder neue Lösungen gefragt sind.

Im Mittelpunkt steht deshalb nicht die eine perfekte 1:1-Technik. Vielmehr sollen die Kinder einen möglichst großen Werkzeugkasten an individuellen Lösungen entwickeln und lernen, diese situationsgerecht einzusetzen.

Mit zunehmendem Alter und Leistungsstand werden die Aufgaben komplexer und spielnäher. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich: Wahrnehmen – entscheiden – handeln – Vorteil nutzen.

Schwerpunkte: Wahrnehmung · Entscheidung · Täuschung · Timing · Richtungswechsel · Raumgewinn · Durchsetzungsfähigkeit

1:1 / 2:2 – Wettkampf mit offenen Rollen

Die Spieler starten zunächst ohne festgelegte Angriffs- oder Abwehrrolle. Zwei Kinder sitzen etwa auf 12 Metern, der Trainer steht mit Ball in einem Stangentor bei etwa 17 Metern. Auf ein Signal sprinten beide um die Stangen. Erst spät zeigt der Trainer durch das Fallenlassen bzw. Bereitstellen des Balles auf einer Seite, wer welche Rolle übernimmt.

Der Spieler auf der Ballseite wird zum Abwehrspieler und läuft auf direktem Weg um die Stange. Der andere Spieler umläuft die Stange und den Trainer in einem größeren Bogen, erhält den Ball per Aufsetzer und wird zum Angreifer. Durch Zeitpunkt und Richtung der Ballfreigabe kann der Trainer unterschiedliche Ausgangssituationen provozieren. Die Spielform lässt sich anschließend vom 1:1 zum 2:2 erweitern.

1:1 aus dem Prellen – Abwehr kommt von vorne

Angreifer und Abwehrspieler starten sich gegenüberstehend im Zentrum eines großen Vierecks. Nach dem Startsignal umläuft der Abwehrspieler ein vorgegebenes Hütchen, während der Angreifer mit Ball das diagonal gegenüberliegende Hütchen umläuft.

Anschließend entsteht das 1:1 frontal zum Tor. Der Angreifer kommt aus dem Prellen und muss Geschwindigkeit, Abstand und Verhalten des entgegenkommenden Abwehrspielers wahrnehmen und daraus seine Lösung entwickeln.

1:1 aus dem Zuspiel – Abwehr kommt von der Seite

Zwei Spieler starten etwa 17 Meter vor dem Tor auf RL oder RR, beispielsweise Rücken an Rücken. Die Ausgangsposition kann regelmäßig verändert werden. Auf das Trainersignal laufen beide zunächst durch ein seitliches Hütchentor und anschließend auf ihre jeweilige Seite ins Spielfeld.

Der Angreifer erhält den Ball vom Trainer und spielt anschließend ohne weiteren Pass direkt das 1:1. Durch unterschiedliche Zuspiele kann der Trainer die Situation variieren. Auch ein Ball hinter den Abwehrspieler ist möglich, wenn der Angreifer hinterläuft. Entscheidend ist, dass eine faire, aber herausfordernde Ausgangssituation entsteht. Unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten können beispielsweise über die Qualität und Richtung des Zuspiels ausgeglichen werden.

1:1 + 1 – Trainer als Zuspieler

Der Angreifer spielt im 1:1 und kann den Trainer als zusätzlichen Anspieler nutzen. Sobald der Ball zum Zuspieler gespielt wird, muss der Abwehrspieler eines von zwei Begrenzungshütchen bei etwa 10 Metern berühren. Gleichzeitig umläuft der Angreifer eine Markierung im Rückraum und bietet sich erneut an.

Pro Angriff sind maximal drei Pässe zum Zuspieler erlaubt. Ziel ist nicht das bloße Hin- und Herspielen: Der Angreifer soll beobachten, wie sich der Abwehrspieler durch den Pass bewegen muss, und genau diesen Moment nutzen, um Raum und Bewegungsvorsprung für die folgende 1:1-Aktion zu gewinnen.

Die Spielformen können über Abstände, Laufwege, Zuspiele und das Timing des Trainers dem Leistungsstand angepasst werden. Im Mittelpunkt steht dabei nicht eine vorgegebene 1:1-Technik, sondern die Fähigkeit der Kinder, unterschiedliche Situationen zu erkennen und selbstständig passende Lösungen zu finden.

Schwerpunkte: Wahrnehmung · Entscheidung · Täuschung · Timing · Freilaufen · Raumgewinn · 1:1-Verhalten · offene Spielsituationen

Wurfvarianten mit Squeezies (E‑ und D-Jugend)

Übung 1 – Kreative Wurfvarianten
Die Kinder probieren unterschiedliche Wurflösungen mit dem Squeezie aus: durch die eigenen Beine anwerfen und einhändig fangen, Lattenwürfe von hinten durch die Beine, tiefe Schlagwürfe unter einer Pommes oder Knickwürfe. Im Mittelpunkt stehen Kreativität, Ballgefühl und das spielerische Entdecken neuer Wurfbewegungen.

Übung 2 – Würfe von Außen
Ohne Torwart werfen die Kinder aus dem Stand von der Außenposition: Wie weit außen könnt ihr noch treffen? Der Abstand und Winkel zum Tor werden zunehmend anspruchsvoller. Erste Dreher oder andere kreative Abschlüsse dürfen gerne ausprobiert werden.

Übung 3 – Zuspiel zum Kreis & Fallwurf
Hohe und tiefe Zuspiele zum Kreis werden möglichst einhändig gefangen und anschließend mit einem Fallwurf auf die Matte abgeschlossen. Ein Rebounder oder Kästen können zusätzliche Zuspielvarianten ermöglichen – beispielsweise mit einem Absprung mit dem Rücken zum Tor.

Übung 4 – Trampolin & Matte
Mit Trampolin und Matte dürfen die Kinder noch einmal richtig kreativ werden: Kempa-Zuspiele, ungewöhnliche Abschlüsse und Trickwürfe stehen im Mittelpunkt. Hier geht es vor allem um Mut, Timing, Körpergefühl und jede Menge Spaß beim Ausprobieren.

Mit dem Squeezie probieren die Kinder ungewöhnliche Wurflösungen wie Würfe durch die eigenen Beine, tiefe Schlagwürfe oder Knickwürfe aus. Im Mittelpunkt stehen Kreativität, Ballgefühl und das spielerische Entdecken neuer Wurfbewegungen.

Würfe von Außen:
Die Kinder testen Würfe aus zunehmend schwierigeren Außenwinkeln und suchen dabei eigene Lösungen für einen erfolgreichen Torabschluss. Auch erste Dreher und kreative Wurfvarianten dürfen spielerisch ausprobiert werden.

Zuspiel zum Kreis & Fallwurf:
Hohe und tiefe Zuspiele werden möglichst einhändig gefangen und per Fallwurf abgeschlossen. Rebounder oder Kästen sorgen für zusätzliche, abwechslungsreiche Zuspiel- und Wurfsituationen.

Trampolin & Matte:
Mit Kempa-Zuspielen, Trickwürfen und kreativen Abschlüssen entdecken die Kinder neue Wurfmöglichkeiten. Dabei werden spielerisch Timing, Körpergefühl und Mut gefördert.

Außenwürfe mit Squeezy

(E‑ und D-Jugend)

Anlauf aus der Ecke: Die Kinder starten aus der Ecke, laufen bogenförmig an, springen vom Stepper ab und landen kontrolliert auf der Matte. Wichtig ist, dass der Wurfarm beim Absprung gerade nach oben geführt wird und auch aus schwierigem Winkel eine stabile Wurfposition entsteht.

Anlauf von der Linie: Nach einer Passtäuschung erfolgt der Durchbruch nach außen – mit maximal einmaligem Tippen. Besonders auf einen bogenförmigen Anlauf und den Absprung in Richtung Spielfeldmitte achten. Plättchen können dabei den optimalen Laufweg markieren.

Koordinationsleiter & stetiger Kreislauf: Nach ihrer Wurfübung wechseln die Kinder direkt zur Koordinationsleiter und absolvieren dort unterschiedliche Lauf-, Schritt- und Koordinationsaufgaben. Von dort geht es wieder zurück zur Wurfstation. So entsteht ein stetiger Trainingskreislauf mit viel Bewegung, kurzen Wartezeiten und hoher Wiederholungszahl.

Würfe von Außen nach Einlaufen

(E‑ und D-Jugend)

Nach dem Zuspiel von Außen läuft der Spieler auf die Gegenseite ein und schließt außerhalb der Stange mit einem harten Wurf lang oben über die ins Tor eingehängte Bank ab. Anschließend stellt er sich auf der gegenüberliegenden Seite wieder an.

ZUSAMMENSPIEL MIT DEM KREISLÄUFER – NIVEAU D-JUGEND

Mit dem Übergang in die D-Jugend gewinnt das Zusammenspiel mit dem Kreisläufer zunehmend an Bedeutung. Die Kinder lernen, den Kreisläufer nicht nur als Anspielstation wahrzunehmen, sondern seine Bewegungen gezielt zu nutzen, um Räume für sich selbst oder für Mitspieler zu öffnen.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Setzen und Lösen von Sperren. Der Kreisläufer positioniert sich bewusst am Abwehrspieler, setzt eine Sperre und löst sich anschließend wieder in den freien Raum. Gleichzeitig muss der ballführende Spieler erkennen: Kann ich selbst durchbrechen? Ist der Kreisläufer anspielbar? Oder entsteht durch die Sperre eine neue Möglichkeit für einen Mitspieler?

Dabei sollen keine starren Abläufe auswendig gelernt werden. Unterschiedliche Ausgangspositionen und kleine Variationen stellen die Kinder immer wieder vor neue Situationen und fördern das Wahrnehmen, Entscheiden und gemeinsame Lösen.

Vom einfachen Zusammenspiel 2:1 mit Kreisläufer können die Anforderungen schrittweise über 2:2- und 3:3-Situationen bis hin zu spielnahen Grundspielen gesteigert werden. Entscheidend bleibt dabei immer das Zusammenspiel von Timing, Bewegung ohne Ball, Sperre, Lösen und dem Erkennen des entstehenden Raumes.

Ziel: Der Kreisläufer soll nicht einfach irgendwo „am Kreis stehen“. Die Kinder sollen verstehen, wie sie durch Sperren, Lösen und gemeinsames Bewegen die Abwehr beeinflussen und daraus selbstständig Lösungen entwickeln können.

Sperre mit anschließendem Kreisanspiel: Zwei Spieler arbeiten zusammen. Der Rückraumspieler setzt zur Wurftäuschung an und läuft anschließend um einen Airbody, Kasten oder eine Fahnenstange. Seitlich davon setzt der Kreisläufer eine Sperre, löst sich im richtigen Moment und wird anschließend vom Rückraumspieler angespielt.

Sperre mit anschließendem Kreisanspiel: Wie in Übung 1, jetzt wird der gleiche Ablauf auf der anderen Seite durchgeführt.

Sperre mit Bodenpass aus der Mitte: Wie in Übung 1 und 2, jetzt erfolgt der Ablauf aus der Mitte. Nach der Wurftäuschung spielt der Rückraumspieler einen Bodenpass durch einen Kasten zum Kreisläufer, der sich nach seiner Sperre löst und den Ball aufnimmt.

Kreisanspiel nach Rückraumpass: Der Ablauf der Sperre und des Lösens bleibt wie in den vorherigen Übungen. Jetzt erfolgt das Anspiel an den Kreisläufer nach einem vorherigen Pass im Rückraum.

SPIELFÄHIGKEIT & SPIELFORMEN

(E‑ und D-Jugend)

Technik allein macht noch keinen guten Handballspieler. Ein Kind kann hervorragend passen, fangen, prellen oder werfen – entscheidend ist aber, ob es im Spiel erkennt, wann und wie es diese Fähigkeiten einsetzen kann. Genau hier beginnt Spielfähigkeit.

Kinder müssen lernen, Spielsituationen selbst wahrzunehmen: Wo ist freier Raum? Wo steht mein Mitspieler? Wo befindet sich der Gegenspieler? Soll ich passen, selbst in die Lücke gehen oder den Ball sichern? Diese Entscheidungen entstehen im Spiel innerhalb von Sekundenbruchteilen – und lassen sich nur begrenzt durch vorgegebene Bewegungsabläufe vermitteln.

Sehen – entscheiden – handeln.

Deshalb nehmen Spielformen in unserem Kinderhandballtraining einen besonders hohen Stellenwert ein. Wir möchten den Kindern nicht ständig sagen, was sie als Nächstes tun sollen. Stattdessen schaffen wir Situationen, in denen sie selbst beobachten, ausprobieren, entscheiden und Lösungen finden müssen.

Der Trainer wird dabei zunehmend zum Gestalter von Lernumgebungen. Durch die Größe des Spielfeldes, die Anzahl der Spieler, unterschiedliche Tore und Ziele, Über- oder Unterzahlsituationen oder bewusst eingesetzte Zusatzregeln kann er bestimmte Spielsituationen provozieren – ohne den Kindern die Lösung vorwegzunehmen.

Gerade kleine Spielformen wie 2:2, 3:3, 4:4 oder Handball-Funino bieten dafür hervorragende Voraussetzungen. Weniger Spieler bedeuten mehr Raum, mehr Ballkontakte und vor allem mehr Situationen, in denen jedes einzelne Kind wahrnehmen und entscheiden muss. Niemand kann sich dauerhaft hinter seinen Mitspielern verstecken – jedes Kind wird Teil des Spiels.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Fehler zu vermeiden. Ein Kind darf eine Lücke übersehen, einen falschen Pass spielen oder sich für einen Wurf entscheiden, obwohl eine andere Lösung vielleicht besser gewesen wäre. Genau diese Erfahrungen gehören zum Lernen. Die Aufgabe des Trainers besteht nicht darin, jede Situation sofort zu korrigieren, sondern den Kindern die Möglichkeit zu geben, unterschiedliche Lösungen auszuprobieren und deren Wirkung selbst zu erfahren.

Auch technische Fähigkeiten bleiben wichtig. Passen, Fangen, Werfen, Prellen und das Verhalten im Zweikampf bilden den persönlichen „Werkzeugkasten“ eines Kindes. Aber ein großer Werkzeugkasten hilft wenig, wenn ein Spieler nicht erkennt, welches Werkzeug er in welcher Situation benötigt.

Deshalb gehören Techniklernen und Spielen zusammen. Technische Übungen erweitern die Handlungsmöglichkeiten – Spielformen geben den Kindern anschließend den Raum, diese Möglichkeiten unter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck selbstständig einzusetzen.

So entwickelt sich nach und nach echte Spielfähigkeit: Kinder beginnen, Räume früher wahrzunehmen, Mitspieler einzubeziehen, Gegnerbewegungen zu erkennen und eigene Entscheidungen zu treffen. Sie lernen nicht nur Handballtechniken, sondern sie lernen, Handball zu spielen.

Der Trainer schafft die Spielsituation. Die Kinder finden die Lösung.

Unser Grundgedanke

„Technik gibt Kindern Werkzeuge. Spielfähigkeit zeigt ihnen, wann sie welches Werkzeug brauchen.“

Genau deshalb gilt für unsere Spielformen: weniger vorgeben, mehr spielen lassen – und Kindern die Freiheit geben, eigene Lösungen zu entdecken.

4 + 1 Handball: Die kleine Spielform sorgt für viele Ballkontakte, zahlreiche 1:1-Situationen und ständige Entscheidungen jedes einzelnen Kindes. Durch die reduzierte Spielerzahl entstehen mehr Räume und damit viele Möglichkeiten, selbstständig spielerische Lösungen zu entdecken.

4 + 1 Handball:
Die kleine Spielform sorgt für viele Ballkontakte, zahlreiche 1:1-Situationen und ständige Entscheidungen jedes einzelnen Kindes. Durch die reduzierte Spielerzahl entstehen mehr Räume und damit viele Möglichkeiten, selbstständig spielerische Lösungen zu entdecken.

3 + 1 Handball im Rotationsprinzip:
Gespielt wird quer auf zwei Tore, wobei nach jedem Treffer der Torschütze das Spielfeld verlässt und ein neuer Spieler nachrückt. So entsteht ein dynamischer Wechselrhythmus mit viel Bewegung, ständig neuen Spielsituationen und wechselnden Aufgaben für alle Kinder.

Handball-Funino in der E-Jugend:
Durch kleine Teams und mehrere Zielmöglichkeiten entstehen viele Ballkontakte, freie Räume und ständig neue Entscheidungssituationen. Die Kinder lernen, den Kopf oben zu behalten, Räume wahrzunehmen, sich freizulaufen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Handball-Funino in der E-Jugend:
Spielerwechsel im Rotationsprinzip: Der Torwart rückt ins Feld nach, sodass die Kinder fortlaufend unterschiedliche Rollen und Spielsituationen erleben.